Besonderheiten bei grossen Arrangements

0. Inhaltsverzeichnis und Zweck dieses Textes *

1. Begriffserklärungen und Namenskonventionen *

2. Was man beim Aufbau eines Moduls beachten sollte *

3. Was man beim Aufbau des Arrangements beachten sollte *

0.2 Zweck dieses Textes

Dieser Text soll eine Kurzanleitung zu allen Fragen, die die elektrischen Einrichtungen eines FREMO-Arrangements betreffen, sein. Falls es für einzelne Probleme Verständnisprobleme gibt, lese man die Aufsätze zu dem jeweiligen Problem. In diesem Text sind dazu Links zu diesen Aufsätzen eingestreut.

Im Folgenden wird beschrieben, wie Dinge auf FREMO-Arrangements gehandhabt werden.

Für private Anlagen oder Vereinsanlagen, die permanent aufgebaut sind oder vom Nachwuchs mit bedient werden, kann es. andere Regeln, wie z.B. den Einbau der Schweineschwanzleitung oder die betriebliche Abschaltung von Gleisen, geben.

 

Die Anschlüsse 1 und 6 des sechspoligen Westernsteckers.

Damit das Signal auch für die Versorgung der Handregler verwendet werden kann, ist der jeweils negative Anschluss mit Signal_Ground identisch..
Die Spannungen an diesen Anschlüssen sind eine "Low power" Kopie, also eine Kopie mit niedriger Leistung des Schienensignals.
(der Strom ist viel geringer, ca. 100 mAmpere gegenüber 5 Ampere des Schienensignals. Logisch gesehen, ist das Schienensignal eine "High power" Kopie des Railsync Signals)

Ein Booster (man sollte ihn besser als "Fahrstrom-Booster" bezeichnen) ist ein Verstärker, der das Railsync-Signal so weit verstärkt, dass Triebfahrzeuge mit dem verstärkten Strom fahren können.

Die mir bekannten (Fahrstrom)Booster liefern folgende Ströme:
2 Ampere (SpaxBooster),
2 mal 2,5 Ampere (Franken-DoppelBooster)
3 bis 4 Ampere (Lenz LV101),
5 Ampere (Digitrax Chief DCS100, DB150), 8 Ampere (Digitrax DB200)
10 Ampere (ZIMO-Booster).

Der (Fahrstrom-)Booster enthält:

1.1.3. Railsync-Booster

Ein Railsync-Booster ist ein Verstärker, der das Railsync-Signal so weit verstärkt, dass dieses weitere FRED's speisen und (Fahrstrom-)Booster ansteuern kann. Bis jetzt gibt es keinen kommerziellen Hersteller.

Ein Railsync-Booster kommt mit einer einfachen Kurzschlussstrombegrenzung aus und braucht auch keine Signalausfallabschaltung, sollte sie sogar gar nicht haben. Er sollte das Railsync-Signal möglichst unverfälscht weitergeben.

RSCLD heisst RailSync Current Limiting Device ( Strombegrenzer für Railsync)
Das RSCLD ist ein kleines Kästchen mit 2 Widerständen 27 Ohm, 8 Watt. Das RSCLD ermöglicht es, aus einem (Fahrstrom-)Booster einen Railsync-Booster zu machen. Die Widerstände begrenzen den Strom aus einem Booster im Kurzschlussfall auf ein halbes Ampere, so dass ein Kurzschluss auf der Railsync-Leitung in den dünnen Leitungen der Loconet-Verkabelung keinen Schaden anrichten kann.

 

In der Literatur von Digitrax gibt es den Hinweis, dass man die "Power Ground" Anschlüsse aller (Fahrstrom-)Booster miteinander verbinden solle. Am Digitrax DCS100 ist dieser Anschluss ein kurzes Kabel vom Gehäuse, das in einem Ring-Kabelschuh endet.
Digitrax bezeichnet dieses Kabel als "Pig tail", zu deutsch "Schweineschwanz".

In Anlehnung daran habe ich die Verbindungsleitung als " Schweineschwanzleitung"

bezeichnet

Die Boosterbox ist eine Schaltung, die es ermöglicht, ein Digitrax DCS100 oder DB150 als optogekoppelten und damit galvanisch getrennten Booster zu betreiben. Die BoosterBox wird zwischen die Loconet-Verkabelung des Arrangements und die Loconet-Anschlüsse des DCS100 geschaltet.

galvanisch getrennt : keine elektrisch leitende Verbindung zwischen den Gegenständen

Damit wir uns auf Treffen sofort verstehen, bitte ich um zwei Namenskonventionen:

Ein Railsync-Bereich ist ein Abschnitt einer Modelleisenbahnanlage, dessen LocoNet-Verkabelung von einem Railsync-Ausgang gespeist wird.

Da ein Railsync-Ausgang mehrere Booster und mehrere FRED's ( über LN-Boxen) speisen kann, enthält ein Railsync-Bereich mehrere Booster-Bezirke.

Ein Booster-Bezirk (engl. booster-district) ist ein Abschnitt der Modelleisenbahnanlage, dessen Gleise von genau einem (Fahrstrom-)Booster gespeist werden.

 

Man lege eine Stammleitung (engl. Bus Feeder), Querschnitt mindestens 1,5 mm², besser 2,5 mm², 2polig
parallel zu den Gleisen zwischen den beiden Enden des Moduls.

bei zweigleisiger Führung 2 Leitungen (4 polig).
Entgegen der landläufigen Meinung lässt sich ein Kabelquerschnitt von 2,5 mm² in einem Hirschmann-Büschelstecker verlöten (Schräubchen ganz rausdrehen).

Die Stichleitungen (engl. Track Feeder) von der Stammleitung zu den Gleisen sollten einen Querschnitt von mindestens 0,5 mm² haben.

Jedes Gleisstück auf dem Modul soll mit der Stammleitung mindestens einmal, besser zweimal verbunden sein. Traue keinem Schienenverbinder und keiner Lötstelle zwischen zwei Gleisstücken.

 

Man baue Leuchtdiodenanzeigen für die Fahrspannung ein.

Hat die Betriebsstelle keinen fest eingebauten (Fahrstrom)Booster, bringt man 2 antiparallele gelbe (weisse) Leuchtdioden mit Vorwiderstand als Anzeigen für die Gleisspannung an strategisch wichtigen Stellen ( evtl als Lampen tarnen) auf der Betriebsstelle unter. Zwei Leuchtdioden sind billiger als eine Duo-LED. Ausserdem hat eine Duo-LED zwei verschiedene Farben. Die Farbwirkung der Duo LED ist vom Blickwinkel abhängig, was zu Missdeutungen führen kann.

Man baue Leuchtdiodenanzeigen für die Funktion der Booster ein.

Falls die Betriebsstelle einen (oder mehrere) (Fahrstrom)Booster besitzt, sollen die Diagnoseanzeigen des Boosters im Betrieb sichbar sein (eventuell müssen dafür die LED-Anschlüsse des Boosters bis ins Stellpult oder bis zu einer anderen, gut sichbaren Stelle verlängert werden). Die Bedeutung der Anzeigen soll dokumentiert sein.

Gleisabschnitte sollten, wenigstens gruppenweise, für Diagnosezwecke abschaltbar sein (auch bei Digital !!!), die Abschaltung muss beide Gleisadern erfassen.

Die Zuschaltung zur Stammleitung soll über Brückenstecker erfolgen.

Die Abschaltung soll im normalen Betrieb nicht betätigt werden können.

Die Fahrspannung hat nichts im Stellpult zu suchen!

(Ausnahme: Anzeigen, dass Fahrspannung anliegt.)
Die Fahrspannung wird aus dem Booster in die Stammleitung eines Moduls eingespeist.

Das Herzstück einer Weiche muss polarisiert sein.

Das Herzstück einer Weiche muss
bei Geradeausfahrt das Potential der abzweigenden Backenschiene,
bei Abzweigfahrt das Potential der geraden Backenschiene erhalten.
Dazu dient ein Umschalter, der mit der Weiche umgeschaltet wird.
(siehe <Reinhard Müller> "Kurzschlussvermeidende Weichen")

 

3. Was man beim Aufbau des Arrangements beachten sollte

Jeder Booster, mit Ausnahme des Boosters der Zentrale, muss eine galvanische Trennung zwischen Railsync und Fahrstrom aufweisen.

SpaxBooster, LenzBooster und Frankenbooster haben Optokoppler-Eingänge, die diese Bedingung erfüllen.
Ein DCS100 oder DB150 von Digitrax kann über die
BoosterBox galvanisch getrennt angeschlossen werden.

Jeder Booster soll seinen eigenen Transformator haben,
der den SELV -Bestimmungen (s. u.) genügen und
etwa das 1,2 fache des Boosterstromes bereitstellen können muss.

Der Transformator darf auf keinen Fall im Modul befestigt werden. Ein Vorschlag ist es, den Transformator auf ein Brett zu setzen, das etwa 20 cm über dem Fussboden an den Modulbeinen befestigt ist.

Kein "Schweisstransformator" für alle Booster

Diese Transformatoren liefern dann Kurzschlussströme, die Brände verursachen könnten und sind mit den Vorschriften über Ausstellungen nicht mehr vereinbar.

Doppelbooster dürfen von einer gemeinsamen Sekundärwicklung gespeist werden. Die galvanische Trennung zwischen Steuerleitung (Loconet) und Gleis wird dadurch nicht beeinträchtigt.

Ein Amperemeter in der Verbindungsleitung Trafo -> Booster wäre ein nützliches Extra.

SELV : Separated Extra Low Voltage, (Schutzkleinspannung)
Die Einhaltung der Spielzeug-Richtlinien ist nicht notwendig !!!
(Modelleisenbahn gilt laut EG Richtlinien nicht als Spielzeugeisenbahn !!!)

Ein Einfach-Booster (z.B. SpaxBooster, Lenz-Booster usw) sollte nach Möglichkeit in der Mitte seines Bezirkes stehen.

Jeder mittlere bis grosse Bahnhof (ab 4..5 Gleise)sollte seinen eigenen Booster haben, damit ergibt sich genügend Selektivität (d.h. bei einem Kurzschluss ist nicht gleich die gesamte Anlage ohne Strom)

Ein Doppel-Booster (Doppel-Booster von Oliver Spannekrebs) sollte, wenn möglich, in der Nähe der Trennstelle der beiden Bezirke, die er speist, stehen.

Zu jedem Booster gehören auch die Verbindungskabel zwischen Transformator und Booster.

Die Kabel sollten einen Querschnitt zwischen 1,5 qmm. und 2,5 qmm haben

Unverbindlicher Farbvorschlag für die Stecker und Buchsen :grün.

Baut man Transformator und Booster als Einheit auf, so kann die Verbindung fest montiert werden.

Zu jedem (Doppel)Booster gehören auch die (2)Speisekabel fürs Gleis.
Jedes Kabel ist 2-adrig, Länge mindestens 1,5 m, mehr als 2,5 m sind selten nötig.
Querschnitt zwischen 2 * 1,5 qmm (gut) und 2 * 2,5 qmm (besser),
an beiden Enden je 2 Büschelstecker 4 mm Durchmesser mit zusätzlicher Steckmöglichkeit

(Büschelstecker Fa. Hirschmann, 2,5 qmm lassen sich einlöten,).
Die Adern solten an einem Ende mindestens 30 cm getrennt sein, damit man auch bei weit auseinanderliegenden Buchsen das Kabel anschliessen kann (beim
Hetero-System werden die beiden Stecker vom Booster in verschiedenen Modulen eingesteckt).

Die Schweineschwanzleitung wird bei FREMO-Arrangements nicht verlegt

Loks mit versetzten Stromabnehmern (z.B. Rivarossi BR96, Rivarossi BigBoy) werden auf FREMO-Arrangements nicht akzeptiert bzw. dürfen den Boosterbezirk nicht verlassen (als Ortslok zugelassen)

Jede LN-Box soll genau einem Railsync-Bereich zugeordnet werden.
(LN-Boxen verschiedener Railsync-Bereiche dürfen nicht miteinander verbunden werden).

Railsync-Booster dürfen nicht kaskadiert werden, sie sollen mit ihrem Eingang immer direkt an der Zentrale angeschlossen sein.

Kaskadieren heisst: Der Eingang eines Railsync-Boosters wird an den Ausgang eines anderen Railsync-Boosters angeschlossen. Dabei entsteht eine Phasenverschiebung zwischen den Ausgängen der beteiligten Railsync-Booster, die nicht erwünscht ist.

Bei grossen Arrangements sollten die Railsync-Booster (bzw Spax-Booster + RSCLD) Subzentren bilden.

Legt man 50 m als grösste Länge zwischen Zentrale und Railsync-Booster bzw. zwischen Railsync-Booster und dem entferntestem FRED des Railsync-Bereichs fest, so lassen sich Arrangements mit 200 m Längenausdehnung abdecken.

Der sternförmige Aufbau der Loconet-Verkabelung ist besser als der linearen Aufbau.

Der sternförmige Aufbau weist im Mittel die kleinere Anzahl von Steckverbindungen zwischen der Zentrale und den LN-Boxen auf, sowie die kürzeren Verbindungen.

Unnötige Kabellängen oder Kabelwickel, z.B. 10 m Kabel zur Überbrückung von 2 m, davon dann 8 m aufgewickelt, sollen vermieden werden.

Loconet-Kabel sollen nach Möglichkeit lose in den Modulen verlegt oder darunter aufgehängt werden.

Loconetkabel sollen nur in Ausnahmen über den Fussboden verlegt werden, aber dann mit Klebeband fixiert werden.

Das Digitrax UP3 anstelle der Loconet-Boxen kann nur mit Modifikationen verwendet werden.

Die Track-Anschlüsse dürfen nicht benutzt werden, auf den vorderen Anschlüssen liegt kein Railsync-Signal.

Ein Railsync-Booster kann an einem Ausgang ca 8 FRED's + 2 Booster,
ein RSCLD kann etwa 14 FRED's und 4 SpaxBooster treiben
.

siehe " Der Railsync-Bus bei grossen Arrangements"

 

Man mache eine Leerlaufprobe für jeden (Fahrstrom-)Booster.

Das Amperemeter zwischen Trafo und Booster darf nicht mehr als 50 bis 100 mA anzeigen, wenn kein Fahrzeug auf dem Gleis steht.
Ist es mehr, dann schmurgelt irgend etwas im Boosterbezirk vor sich hin. => suchen

Man mache eine Belastungsprobe für jeden (Fahrstrom-)Booster.

Dazu schliesst man kurzzeitig einen Widerstand von 6,8 Ohm, 17 Watt (SpaxBooster) oder 3,9 Ohm, 17 Watt (LenzBooster) oder 2,7 Ohm, 17 Watt (DCS100) an die Gleise an. ( Die Widerstände werden schnell, 5 bis 10 sec, heiss, da sie deutlich über ihrer Nennleistung belastet werden)
Der Booster darf die Gleisspannung nicht abschalten.
Das Amperemeter zwischen Trafo und Booster sollte ca 2 Ampere (SpaxBooster), 3,5 Ampere (LenzBooster) oder 5 Ampere (DCS100) anzeigen.
Widerstand natürlich wieder entfernen.

Man mache eine Kurzschlussprobe für jeden (Fahrstrom-)Booster.

Dazu schliesst man die Gleise kurzzeitig an denjenigen Stellen des Booster-Bezirks kurz, die am weitesten von der Einspeisung in den Booster-Bezirk entfernt sind. Der Booster muss den Kurzschluss erkennen und die Gleisspannung abschalten.
Tut er das nicht, ist die Stammleitung zu dünn bemessen oder hat irgendwo einen zu hohen Übergangswiderstand. Das Amperemeter zwischen Trafo und Booster ist dann ein nützlicher Helfer zur Fehlersuche.
Kurzschluss natürlich wieder entfernen.

Man mache den Test auf Gleichphasigkeit

Falls der Zentralen-Booster an der Versorgung des Arrangements mit Fahrstrom beteiligt ist, so startet man bei dessen Versorgungsbezirk und einem angrenzenden Boosterbezirk. Ist dies nicht der Fall, startet man mit dem Booster, der die meisten Nachbarn hat, als Referenz.

Man überbrückt für den Test einen Schienenstrang über die Boostertrennstelle hinweg.

Man prüft die Spannung zwischen den Schienen des anderen Schienenstranges der beiden Boosterbezirke mit einem Spannungsprüfer, der auch niedrige Wechselspannungen anzeigt (z.B. Steinel Voltcheck 3)

Und man prüft diagonal.

Fall a)

Gleiche Schiene => sehr kleine Spannung

Diagonal => Spannung in Höhe der Booster-Ausgangsspannung

Die Polung ist o.k.

Fall b)

Gleiche Schiene => Spannung in Höhe der Booster-Ausgangsspannung

Diagonal => sehr kleine Spannung

Die Pole der Anschlüsse von Booster zur Anlage müssen vertauscht werden (Pole wenden).

Erneut prüfen. Nun muss sich Fall a) einstellen.

Dieses Verfahren führt man nun mit dem nächsten Boosterbezirk durch, wobei immer die Pole des neu hinzugekommenen Boosters, wenn nötig, vertauscht werden.
Sehr komfortabel lässt sich die Prüfung mit dem
Polungsmesswagen erledigen.

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